Lockdown-Ende braucht einen ehrlichen Plan

· Verwaltung & Stadtrat, Wirtschaft · 2 Min. Lesezeit · Artikel 138 von 497

#Chemnitz#Sachsen#Corona#Digitalisierung

Nach der Simulation mit dem Ausbreitungssimulator der Uni des Saarlandes kann man sich schon mal auf längere Weihnachtsferien nebst Heimarbeit und Kinderbetreuung einstellen bis der Zielwert der 7-Tage-Inzidenz von 50 erreicht wird, bei dem die Gesundheitsämter wieder die traditionelle Kontaktnachverfolgung per Fax und Brief erreichen können.

Im kontaktfreudigen Sachsen wird das Anfang bis Mitte Februar der Fall sein, je nachdem wie brav alle zwischen Weihnachten und Silvester sind. Die Politik mag die Bevölkerung mit zu viel Wissenschaft nicht beunruhigen und kommuniziert erstmal den 10. Januar als Ende des "harten Lockdowns", wobei der garnicht so leichte "Lockdown light" keinen Erfolg der Absenkung der Inzidenz, damit keine Nachverfolgbarkeit und nur eine Verschleppung gebracht hat.

Die Politik kann jetzt nach der Probier- und Erkenntnisphase, den die asiatischen Länder schon durchlaufen haben, entweder den wirtschafts- und menschenfeindlichen Zickzack-Kurs zwischen Panik und leeren Versprechen fahren oder einen realistischen Zeitplan vorlegen. Dann können sich Unternehmen überlegen, ob sie das durchhalten oder zumachen, die Solo-Selbstständigen, ob sie jetzt doch den Hartz-4-Antrag ausfüllen oder sich weiter verschulden und Schulen und Ämter, ob man jetzt doch mutig neue Prozesse mit dem Werkzeug der Digitalisierung angeht. Ohne einen gut kommunizierten gemeinsamen Plan macht jeder seinen eigenen Plan. Da sind dann auch einige verrückte Pläne dabei.

Ursprünglich auf Facebook am 19.12.2020 veröffentlicht.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Der Beitrag vom 19. Dezember 2020 reagiert auf die Diskrepanz zwischen politisch kommuniziertem Lockdown-Ende am 10. Januar 2021 und Modellprognosen. Das mitgelieferte Bild ist zentral: Es zeigt eine WELT-Grafik nach dem Covid-Simulator der Universität des Saarlandes, wonach Sachsen die 50er-Inzidenz je nach Weihnachtslockerung erst am 5. oder 12. Februar 2021 erreichen sollte. Die Formulierung zur „Kontaktnachverfolgung per Fax und Brief“ ist polemisch, traf aber einen realen Digitalisierungsrückstand.

Was danach geschah

Der 10. Januar hielt nicht: Bund und Länder verlängerten die Maßnahmen am 5. Januar bis Ende Januar und am 19. Januar bis 14. Februar 2021. Am 10. Februar folgte die Verlängerung bis 7. März, mit einzelnen Öffnungen etwa bei Friseuren. (bundesregierung.de) Sachsen erreichte die 50er-Marke landesweit nicht Anfang/Mitte Februar: Am 19. Februar lag Sachsen laut RKI noch bei 66, am 2. März bei 81,2; erst Ende Mai lag der Freistaat wieder deutlich unter 50. (welt.de)

Einordnung der damaligen Einschätzung

Die Kritik an zu optimistischer Kommunikation wurde eher bestätigt; die konkrete Prognose war sogar zu optimistisch, weil dritte Welle und Varianten die Absenkung stoppten. Auch die Befürchtung unklarer Planung für Unternehmen, Schulen und Selbständige blieb plausibel: DIW-Analysen beschrieben erhebliche Einkommensverluste bei Selbständigen und kritisierten, sie auf Grundsicherung zu verweisen. (diw.de) Die Digitalisierungskritik wurde ebenfalls bestätigt: Im Januar 2021 nutzte weniger als ein Drittel der Gesundheitsämter SORMAS; Fax, Excel und Insellösungen blieben Thema. (netzpolitik.org)

Quellenlage

Quellen:

KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.