Freie Presse stolpert über Denkmalschutz

Die Tageszeitung "Freie Presse" entdeckt das Thema Denkmalschutz und spekuliert in der heutigen Ausgabe, ob die "Ruine" am Dresdner Platz in sieben Jahren noch steht und ob ich dann nochmal als OB antrete. Falls es die "Freie Presse" in sieben Jahren in der Form einer gedruckten Ausgabe nebst Redaktion noch gibt, kann sie vielleicht darüber berichten.
Da Qualitätsjournalismus bei weiter fallenden Auflagen schwer zu halten ist (oder umgekehrt), hier die Hintergrundinformationen, die innerhalb kürzester Zeit zu recherchieren sind: Die "Ruine" ist das 1855 erbaute denkmalgeschützte ehemalige Kontorgebäude von "Wex und Söhne" (sogenannte "Industriekultur"), die um die Entstehungszeit Strumpfwaren für die ganze Welt, vor allem für Nordamerika produzierten. In den 1960er Jahren befand sich im Gebäude u.a. die Redaktion der Tageszeitung "Neues Deutschland", welche neben der "Freien Presse" ebenfalls von der SED herausgegeben wurde.
Das Gebäude wurde nach der Wende nach jahrelangen Nichtstun von Münchner Eigentümern nun an ein Immobilienunternehmen verkauft, was in Chemnitz viele denkmalgeschützte Objekte saniert (u.a. das ehemalige Europa-Kino). Demnächst wird es wieder in neuem bzw. altem Glanz erstrahlen.
Ursprünglich auf Facebook am 26.10.2020 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag reagierte ironisch auf eine Freie-Presse-Glosse: Die mitgelieferten Bilder zeigen erstens den Zeitungsausschnitt, zweitens das Wahlplakat am unsanierten Gebäude am Dresdner Platz, drittens eine historische Wex-&-Söhne-Grafik. Sachlich traf Faßmanns Korrektur den Kern: Dresdner Straße 34 ist als ehemaliges Kontorhaus der Strumpffabrik Wex & Söhne ein Kulturdenkmal; die Denkmalliste datiert es 1858–1860 und beschreibt es als weitgehend originalen Verwaltungsbau. (de.wikipedia.org)
Was danach geschah
2021 wurde das Projekt als „Villa Victoria“ öffentlich beworben; laut TAG24/ISI-Home sollten Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen, zugleich wurden erhebliche Bauschäden, besonders schlechte Decken, benannt. (tag24.de) ISI-Home nennt 9 Wohnungen und 2 Gewerbeeinheiten, „geplant: 2021“ – das ist aber Selbstdarstellung des Projektträgers, kein unabhängiger Fertigstellungsnachweis. (isihome.de) Ein späteres Vermietungsinserat deutet auf Nutzung/Vermietung hin, bleibt aber ebenfalls immobilienwirtschaftliche Objektwerbung. (mapio.net) Die Freie Presse existiert 2026 weiter auch als gedruckte Zeitung; die Sieben-Jahres-Pointe wäre aber erst 2027 endgültig prüfbar. (freiepresse.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die Kritik an der Verkürzung „Ruine“ wird durch die Quellen bestätigt: Es handelte sich um ein historisch relevantes Denkmal, nicht nur um Verfallskulisse. Die Prognose „demnächst … in altem Glanz“ war dagegen optimistisch; spätere Quellen zeigen Planung und Vermarktung, aber keine belastbare unabhängige Abschlussbilanz. Offen bleibt auch, wie vollständig denkmalgerecht saniert wurde.
Quellenlage
- Denkmalliste/Wikipedia-Auszug: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmale_in_Chemnitz-Sonnenberg,_A%E2%80%93H
- Stadtteilgeschichte Sonnenberg: https://www.sonnenberg-chemnitz.de/wex-soehne/
- ISI-Home „Villa Victoria“: https://isihome.de/immobilien/verkauf/denkmal/villa-victoria/
- TAG24, 18.02.2021: https://www.tag24.de/chemnitz/chemnitz-villa-sanierung-historisches-kontoraus-textilfabrik-isi-home-architektur-1843466
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.