Zwei Wochen länger ohne Danach-Plan

Bei der heutigen Pressekonferenz des Sächsischen Kabinetts wurde eine zweiwöchige Verlängerung der Grundrechtseinschnitte bis zum 20.4. verkündet. Innenminister Wöller sieht weiterhin den widerborstigen Sachsen als Schuldigen an den scharfen Maßnahmen: »Bisher haben wir stets an das Verständnis und die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger appelliert und auf die Regelungen im Infektionsschutzgesetz hingewiesen. Nun sind wir in den vergangenen Tagen und Wochen zu der Erkenntnis gekommen, dass das allein nicht mehr reicht.« - wer kennt sie nicht, die hervorragenden und leicht verständlich appellierenden Kommunikationskampagnen des Freistaats auf allen Kanälen, die einfach beim ignoranten Sachsen nicht verfangen. Ministerin Köpping lässt keine Verantwortung erkennen, dass keinerlei Grundvorrat an Schutzmaterial für den Schutz von Älteren und Schwächeren angelegt wurde, so dass ein Einsperren der gesamten Bevölkerung nun der einzige Ausweg ist »Die Versorgung mit Schutzmaterialien in Sachsen ist generell dramatisch. [...] Es ist ja kein Geheimnis, dass das kein Problem von Sachsen ist sondern mittlerweile ein weltweites Problem.« Nun hat man in der Not sogar Bestellungen bei der hiesigen Textilwirtschaft aufgegeben.
Ein Plan "danach" wurde weiterhin nicht kommuniziert, da man den Lauf der Natur offensichtlich immer noch nicht verstanden hat. Die Regeln gelten deshalb ohne Ausnahme auch für die bis zum 20.4. mindestens 2.000 wieder gesunden Menschen, bei denen das Virus SARS-CoV 2 längst nachgewiesen wurde und die bis dahin immun sind. Die können nach zweiwöchiger Quarantäne weder sich noch andere anstecken und dürfen trotzdem nicht raus oder die Verwandtschaft besuchen.
Antikörpertests für wieder Gesundete werden mittlerweile für 15-20 Euro angeboten und wären auch zehntausenden Bürgern angezeigt, die in den letzten Tagen leichte Symptome hatten. Die kann man zum Glück auch privat beauftragen. Statt ein Antikörper-Screening der Bevölkerung als Start einer Exit-Strategie zu beginnen, hat man nun lieber einen Bußgeldkatalog erarbeitet, an welchem die Medien neben den offiziellen Fall- und Todeszahlen erwartungsgemäß besonderes Interesse zeigen. Der eingesperrte Sachse gruselt sich angeblich gern und muss regelmäßig mit Horror und Strafandrohungen statt einem Ausweg versorgt werden. Von Depressionen sind Stand 2018 übrigens 490.000 Sachsen betroffen.
Zur Pressekonferenz geht es hier entlang
https://www.facebook.com/Freistaat.Sachsen/videos/679465612805479/
Ursprünglich auf Facebook am 31.03.2020 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag reagierte auf die sächsische Corona-Pressekonferenz Ende März 2020. Bild 1 stützt den Anlass: ein Screenshot einer offiziellen Pressekonferenz des Freistaats. Bild 2 zeigt eine Tabelle zu psychischen Diagnosen; die im Text genannte Zahl zu Depressionen in Sachsen entspricht einer damaligen Barmer-Kommunikation. Die damalige Aussage war polemisch zugespitzt: Grundrechtseingriffe, fehlende Exit-Strategie, Schutzmaterialmangel, Bußgeldfokus und psychische Folgekosten.
Was danach geschah
Sachsen beschloss am 31. März 2020 eine Corona-Schutz-Verordnung bis 20. April und kündigte einen Bußgeldkatalog an. Ab 20. April folgten erste Lockerungen, zugleich blieben Kontakt-, Besuchs- und Schließungsregeln bestehen. Später erklärte das Sächsische OVG § 2 der ersten Corona-Schutz-Verordnung vom 31. März 2020 wegen unbestimmter Begriffe für unwirksam. (medienservice.sachsen.de)
Beim Schutzmaterial wurde die Kritik teilweise bestätigt: Der Freistaat beschloss erst im Oktober 2020 den Aufbau eines zentralen Reservelagers; der Rechnungshof thematisierte später Beschaffung und Lagerung von Schutzausstattung als prüfungsrelevant. (medienservice.sachsen.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die Kritik am fehlenden „Danach-Plan“ war für den 31. März nachvollziehbar, wurde aber durch die baldigen Lockerungen teilweise relativiert. Die These, Genesene könnten „weder sich noch andere anstecken“, war aus späterer Sicht zu sicher formuliert: PCR blieb diagnostischer Goldstandard; Antikörpertests verloren in der Individualdiagnostik an Bedeutung. (edoc.rki.de) Die Warnung vor psychischen Folgen wurde hingegen gestützt: In Sachsen stiegen 2020 psychisch bedingte Ausfalltage laut DAK auf Rekordniveau. (presseportal.de)
Quellenlage
- https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/235356
- https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/235504
- https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/250429?version=1
- https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/11669/EB-22-2024-Ratgeber-NEU.pdf
- https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/242341
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.