Linkes Covergirl wider Willen

Dank der lahmenden "Mitte" muss ich als böser Kulturkapitalist heute in der taz als linkes Covergirl herhalten. Dafür musste ich nicht mal Rederecht bei den großen Fraktionen CDU Chemnitz, SPD Chemnitz, DIE LINKE. Chemnitz und Bündnis 90/Die Grünen in Chemnitz beantragen. Kommt doch mit allen Stadträtinnen und Stadträten am Sonnabend auf die Demo und bringt eure Freunde und diese schweigsame Oberbürgermeisterin mit. Dann müsst ihr nach den obligatorischen Anwesenheitsfotos auch nicht eher weg ins Rathaus und dürft bis zum Abspann bleiben. Am Montag gibt's zur Belohnung statt Fraktionsversammlung auch ein kostenloses Konzert. #wirsindmehr #unsäglichelinkebands
Ursprünglich auf Facebook am 31.08.2018 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag vom 31. August 2018 reagierte unmittelbar auf die Chemnitzer Ausschreitungen nach dem Tötungsdelikt an Daniel H. und auf die taz-Titelseite im mitgelieferten Bild: ein Doppelporträt „Linkes Chemnitz, rechtes Chemnitz“ mit Lars Fassmann und Martin Kohlmann. Die damalige Aussage ist erkennbar ironisch: Fassmann beschreibt sich als „böser Kulturkapitalist“ und kritisiert eine als zögerlich empfundene demokratische „Mitte“ aus Rathaus und Stadtratsfraktionen.
Was danach geschah
Das angekündigte kostenlose Konzert #wirsindmehr fand am 3. September 2018 statt; der Deutsche Kulturrat sprach von rund 65.000 Besucherinnen und Besuchern und wertete es als deutliches Zeichen gegen Rassismus. Das bestätigt den damaligen Aufruf zur sichtbaren Gegenöffentlichkeit, beweist aber nicht, dass die strukturellen Probleme erledigt waren. Später wurde die rechtsextreme Gruppe „Revolution Chemnitz“ juristisch relevant; 2021 bestätigte der BGH laut LTO Urteile wegen terroristischer Vereinigung im Umfeld der Ereignisse von 2018. (kulturrat.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die Kritik an einer zu schwachen bürgerlich-demokratischen Mitte wurde eher teilweise bestätigt: Pro Chemnitz wurde 2018 vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft; Kohlmanns Umfeld weitete sich später über die „Freien Sachsen“ aus. Gleichzeitig verlor Pro Chemnitz/Freie Sachsen 2024 in Chemnitz Mandate und kam auf 4,9 Prozent / 3 Sitze, blieb aber im Stadtrat präsent. (verfassungsschutz.sachsen.de)
Quellenlage
Offizielle Quellen belegen Status, Einstufung und Wahlergebnis, nicht gesellschaftliche Entwarnung. Auch der spätere Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 relativiert einzelne Imagefragen, widerlegt aber die damalige Problemdiagnose nicht; lokale Berichte nannten weiter Kritik an Einbindung und Kommunikation. (germany.representation.ec.europa.eu)
Quellen: Deutscher Kulturrat; LTO; Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen; Landeswahlleiter Sachsen; EU-Kommission/Vertretung Deutschland.
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.