Chemnitz-Leipzig wartet seit 92 Jahren

· Verkehr & Mobilität, Stadtentwicklung & Innenstadt · 3 Min. Lesezeit · Artikel 16 von 497

#Chemnitz#Verkehr#Mobilität#Sachsen

Kleiner Repost vom letzten Jahr, da Freie Presse heute berichtet, das Gezerre um die Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig würde erst 20 Jahren währen: Es sind mittlerweile schon 92 Jahre die Leipzig auf den elektrifizierten Anschluss an die Kulturhauptstadt der Herzen wartet. Mittlerweile sind mehrere politische Systeme zusammengebrochen, Reichskommissare, SED-Bezirksräte und Minister haben gewechselt - das Problem bleibt wie ein Fels in einem stillen Tümpel.

Zeitleiste: Elektrifizierung der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig
🔹 1933
– Erste Pläne zur Elektrifizierung im Rahmen der Reichsbahn-Modernisierung.
– Ziel: Integration in ein mitteldeutsches elektrisches Bahnnetz.

🔹 1935
– Die "Oberste Bauleitung für Elektrifizierung" zieht von Stuttgart nach Leipzig.
– Koordination der Elektrifizierung Mitteldeutschlands, Chemnitz–Leipzig bleibt im Plan, aber wird nicht realisiert.

🔹 1939–1945 (Zweiter Weltkrieg)
– Elektrifizierungspläne werden kriegsbedingt gestoppt.

🔹 1945–1949 (Nachkriegszeit)
– Reparationsleistungen: Demontage des zweiten Gleises durch die Sowjetunion.

🔹 1950er–1980er (DDR-Zeit)
– Keine Elektrifizierung der Strecke trotz ihrer industriellen Bedeutung.
– Konzentration auf andere Strecken wie Leipzig–Dresden und Halle–Erfurt.

🔹 1990–2010 (nach der Wiedervereinigung)
– Infrastrukturmodernisierung in Ostdeutschland, aber Chemnitz–Leipzig bleibt dieselbetrieben.
– Projekt mehrfach diskutiert, aber verschoben.

🔹 2013
– Aufnahme der Elektrifizierung ins Bundesverkehrswegeplan-Projekt.
– Politisches Bekenntnis zum Ausbau, konkrete Maßnahmen fehlen noch.

🔹 2021
– Baubeginn im Abschnitt Geithain–Chemnitz.
– Ziel: Verbesserung der Regionalanbindung und Vorbereitung für Fernverkehr.

🔹 2025
– Sparpläne der sächsischen Landesregierung gefährden den geplanten zweigleisigen Ausbau.
– Im Haushalt 2025/2026 fehlen rund 12 Millionen Euro – es stehen nur 8,1 Millionen Euro zur Verfügung.
– Infolge der Einsparungen wird erwogen, einen längeren Abschnitt (6 km) zwischen Cossen und Burgstädt eingleisig zu belassen.
– Das gefährdet den geplanten 30-Minuten-Takt zwischen Chemnitz und Leipzig massiv.
– Die bisher geplante Inbetriebnahme (2032) und das Betriebsprogramm stehen infrage.

🔹 Ausblick (Stand 2025)
– Südabschnitt (Chemnitz–Geithain): Entwurfs- und Genehmigungsplanung läuft.
– Nordabschnitt (Geithain–Leipzig): Vorplanung bis Ende 2026.
– Voraussichtliche Inbetriebnahme der Gesamtstrecke: 2032, aber zunehmend ungewiss.

Ursprünglich auf Facebook am 16.04.2025 veröffentlicht.