Freifunk-Beschluss versandet im Innenstadt-Funkloch

· Verwaltung & Stadtrat, Stadtentwicklung & Innenstadt, Wirtschaft · 4 Min. Lesezeit · Artikel 47 von 497

#Chemnitz#Innenstadt#Digitalisierung#Stadtrat

Da es in den Läden und Gastronomien der Chemnitzer Innenstadt meist nicht mal Mobildatennetz und geschweige denn freies WLAN gibt, stellt sich die Frage: Wo ist dieses kostenlose Internet für die vielen internationalen Gäste, die sich keine teure Datenrate für ihre ausländischen Mobilfunkverträge leisten wollen?

2016 gab es einen Stadtratsbeschluss [1] (47 Ja-Stimmen, 2 Nein, 4 Enthaltungen), den gemeinnützigen Freifunk Chemnitz zu fördern, flächendeckend ein kostenloses und überwachungsfreies Internet in der Innenstadt bereitzustellen. Freifunk betreibt ca. 400 Zugriffspunkte in Chemnitz (darunter bisher nur an 5 Stellen in der gesamten Innenstadt). Benötigt werden dazu Plätze für die WLAN-Router, ein bisschen Strom und eventuell ein paar der schon vorhandenen Internetzugänge. Quartalsweise sollte ab Ende 2016 über die Fortschritte im Verwaltungs- und Finanzausschuss berichtet werden. Es gab dann Ende 2016 genau einen Bericht [2] und dann hörte man nichts mehr.

Statt die Sache mit dem ehrenamtlichen Verein intensiv voranzutreiben, begannen 2017 der städtische Energieversorger eins und die Chemnitzer Wirtschaftsförderung mit dem Aufbau eines eigenen WLANs zur Vermarktung der Innenstadt mit Händlern und Gastronomen [3].

2018 gab es auf Nachfrage die Auskunft, der Verein hätte nicht auf Anschreiben reagiert und man wolle sich dennoch nochmal kümmern. Der Ansatz von eins/CWE würde aber nicht mit Freifunk zusammenpassen, da "hier unterschiedliche konzeptionelle Ansätze, auch zur Nutzung von Daten, bestehen" [4] Freifunk ist eben anonym und spioniert die Nutzer nicht aus.

2019 wollte man weitere Nachfragen erst nicht antworten [5] und teilte dann doch mit, dass die CWE das WLAN der Kneipenmeile jetzt auf den "Innenstadtkern" ausweiten will [6]. Einen Zeitplan gäbe es nicht.

Jetzt sind acht Jahre vergangen und man findet gar kein freies WLAN mehr in der "Kneipenmeile" und auch im restlichen "Innenstadtkern" nicht.

Das ist scheinbar ein unlösbares Problem, was ausländische Gäste regelmäßig nicht verstehen können und einen als Gastgeber jedesmal in peinliche Erklärungsnöte bringt.

Dafür kann man jetzt (acht Jahre nach Pokémon Go) mit einer neuen Innenstadt-Vermarktungs-App imaginäre Juwelen sammeln, sofern man eine Internetverbindung hat. [7]

Merke: Wir können in Chemnitz in die Zukunft schauen, weil wir mindestens 10 Jahre hinterher sind.

[1] https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/getfile.asp?id=7038522&type=do
[2] https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/getfile.asp?id=7044194&type=do
[3] https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/getfile.asp?id=7073954&type=do
[4] https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/getfile.asp?id=7075434&type=do
[5] https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/getfile.asp?id=7089560&type=do
[6] https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/getfile.asp?id=7105058&type=do
[7] https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2023/828.html

Ursprünglich auf Facebook am 03.01.2024 veröffentlicht.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Der Beitrag vom 3. Januar 2024 formulierte keine allgemeine Technikkritik, sondern eine konkrete Kritik am Umgang der Stadt mit einem Stadtratsbeschluss von 2016: Freifunk sollte unterstützt, Fortschritte sollten berichtet werden; sichtbar sei aber weder ein flächiges freies WLAN noch eine belastbare Umsetzung. Die mitgelieferten Bilder stützen den damaligen Eindruck: Bild 1 zeigt eine WLAN-Liste fast nur mit privaten/gesicherten Netzen und kommerziellen Hotspots, kein klar erkennbares Freifunk- oder Stadt-WLAN; Bild 2 verortet die Kritik im öffentlichen Innenstadt-/City-Kontext.

Was danach geschah

Bereits am 13. Januar 2024 griff TAG24 die Frage erneut auf. Dort bestätigte die Stadt sinngemäß, dass das Pilot-WLAN von eins/CWE in der Inneren Klosterstraße bis 2022 lief und „mangels Nachfrage“ abgeschaltet worden sei; ein flächendeckendes City-Angebot sei offenbar nicht geplant, nur im Kulturhauptstadt-Welcome-Center wurde freies WLAN in Aussicht gestellt. Das ist eine spätere Bestätigung des Kernpunkts, nicht nur eine Wiederholung der Blogkritik. (tag24.de) Freifunk Chemnitz existierte weiter und wird in der Freifunk-API weiterhin mit 400 Nodes geführt; das belegt Aktivität des Vereins, aber keine flächendeckende Innenstadtversorgung. (api-viewer.freifunk.net)

Einordnung der damaligen Einschätzung

Die Ironie über die „Innenstadt-Vermarktungs-App“ wurde teilweise bestätigt: „C the Treasure“ startete als Web-Anwendung zum Juwelensammeln und zur Händlerführung, während die WLAN-Grundversorgung ungelöst blieb. (chemnitzcity.de) Widerlegt ist die Kritik nicht. Relativierend gilt nur: Stadt und einzelne Stadträte verwiesen später auf 5G/LTE und EU-Roaming; das beantwortet aber Nicht-EU-Gäste, Funklöcher in Gebäuden und anonymes/offenes WLAN nur begrenzt. (tag24.de)

Quellenlage

Die Beleglage ist solide für Beschlussgeschichte, Abschaltung und Selbstdarstellungen, aber schwach für eine vollständige aktuelle Hotspot-Bilanz.

Quellen:

KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.