Carl Hahn und die verpasste Schulchance

Gestern hat uns Prof. Dr. Dr. Carl H. Hahn junior (94) beim Sommertreff der sächsischen Wirtschaft besucht. Ihm als ehemaligem Vorstand der Volkswagen AG (1982-93) ist es zu verdanken, dass Volkswagen (sogar schon vor der Wende) damit begonnen hat, in Sachsen eine wettbewerbsfähige Automobilproduktion aufzubauen. Unzählige Arbeitsplätze und Unternehmen sind in und um Chemnitz und Zwickau entstanden. Deshalb ist er auch Ehrenbürger der beiden Städte und immer ein willkommener Gast.
Augenmerk legt er heute auf die Bildung junger Menschen mit der "Saxony International School – Carl Hahn", die 16 Schulen – von der Grundschule bis zum Wirtschaftsgymnasium und 18 Kitas/Horteinrichtungen betreibt. Einige davon in Gemeinden, die heute gar keine staatliche Schule mehr hätten und für ein moderates Schulgeld, das geringer ist, als die Fahrtkosten in die nächste Stadt.
Anfang 2017 hatte der Chemnitzer Stadtrat der Ansiedlung einer internationalen Schule in Chemnitz zugestimmt. Der Stadtkämmerer Sven Schulze erteilte ihm dann 2018 eine Absage, da man die dafür ausgewählte Schulbrache als städtische Schule ausbauen wollte und nach dem Verkauf von mehreren ungenutzten Schulen zum Umbau zu Wohnzwecken durch Immobilieninvestoren kein anderes mehr Objekt hatte. Besonders schlau war das nicht. Wir brauchen viel mehr solcher privater Initiativen, denn Qualität und neue Ideen entstehen durch Wettbewerb.
Ursprünglich auf Facebook am 04.09.2020 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag von 2020 ist eine wirtschafts- und bildungspolitische Würdigung Carl Hahns und zugleich Kritik an der Chemnitzer Stadtverwaltung. Die Bilder stützen den damaligen Anlass: ein Sommertreff der sächsischen Wirtschaft mit Hahn als Ehrengast bzw. Redner; sie belegen aber nicht den strittigen Schulvorgang. Belegt ist: 2017 stimmte der Stadtrat der Ansiedlung einer internationalen Schule in Bernsdorf zu; als Standort wurde die frühere Dr.-Theodor-Neubauer-Schule an der Vettersstraße 34 genannt. (freiepresse.de)
Was danach geschah
Die Saxony International School – Carl Hahn ist nach heutiger Eigendarstellung weiter gewachsen, listet aber keinen Chemnitzer Schulstandort; genannt werden u. a. Glauchau, Crinitzberg, Stollberg, Meerane, Reinsdorf, Niederwürschnitz, Elsterberg und Geithain. (saxony-international-school.de) Carl Hahn starb am 14. Januar 2023 im Alter von 96 Jahren. (volkswagen-group.com) Der Standort Vettersstraße wurde nicht für SIS genutzt: Nach Abriss der früheren Schule entstand dort die städtische Marianne-Brandt-Oberschule; die GGG begründet dies mit fehlenden Oberschulkapazitäten und der Schulnetzplanung. (ggg.de) Gleichzeitig eröffnete Chemnitz später doch eine internationale Schule in freier Trägerschaft: das Internationale Stefan-Heym-Gymnasium startete 2022 und wurde im Januar 2023 feierlich eröffnet. (stefan-heym-gymnasium.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die konkrete Kritik, dass die SIS-Chance in Chemnitz verpasst wurde, ist in diesem engen Sinn eher bestätigt. Die weitergehende Wertung „besonders schlau war das nicht“ wird aber relativiert: Die Stadt nutzte den Standort später für eine öffentliche Oberschule mit belegtem Kapazitätsbedarf. Die Prognose, Chemnitz brauche mehr private internationale Bildungsangebote, wurde teilweise anders eingelöst – nicht durch SIS/Carl Hahn, sondern durch F+U.
Quellenlage
Die Absage von 2018 und die Rolle Sven Schulzes konnte ich nur über den Ausgangstext, nicht belastbar unabhängig belegen.
Quellen:
https://www.freiepresse.de/chemnitz/chemnitz-stadtrat-stimmt-fuer-ansiedlung-einer-internationalen-schule-artikel9830748
https://saxony-international-school.de/schulstandorte/
https://www.ggg.de/unternehmen/tochterunternehmen/kbc/marianne-brandt-oberschule
https://stefan-heym-gymnasium.de/feierliche-eroeffnung/
https://www.volkswagen-group.com/de/pressemitteilungen/carl-hahn-war-ist-und-bleibt-fester-bestandteil-der-volkswagen-familie-17209
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.