Marx bekommt seinen Darm zurück

· Kultur & Kulturhauptstadt, Stadtentwicklung & Innenstadt · 2 Min. Lesezeit · Artikel 175 von 497

#Chemnitz#Innenstadt#Kunst#Kulturhauptstadt

Der Chemnitzer Nischl, im Jahr 1971 ohne erkennbaren Widerspruch aus der Bevölkerung als Machtanspruch von einem totalitären System in die Karl-Marx-Städter Innenstadt gesetzt, hat ein Gegenstück bekommen.

Da die meisten menschlichen Entscheidungen im Bauch und nicht im Kopf getroffen werden, kann man nun im Parkgelände Schillerplatz den Darm des Karl Marx der Künstlerinnen Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová im gleichen Maßstab bestaunen.

Angefertigt hat das gute Stück die Firma Fiber-Tech aus Chemnitz, die von Fassadenelementen, Behälter und Anlagen bis hin zu Maschinen- und Fahrzeugteilen alles bauen, was man aus Faserverbundstoffen bauen kann.

Während viele noch mit Sinn und Unsinn hadern und über das Geld der Bundeskulturstiftung jammern, dass sonst nie bei innovativen Chemnitzer Unternehmen angekommen wäre, hat die jüngere Bevölkerung davon bereits Besitz ergriffen. Der Darm lädt zum Balancieren, Rutschen und Verstecken ein.

In der Chemnitzer Innenstadt findet man übrigens noch über hundert weitere skurrile Kunstwerke der letzten 100 Jahre. Eine gute Übersicht (die allerdings seit 2010 nicht mehr gepflegt wird) findet man hier
https://www.stadtbibliothek-chemnitz.de/skulpturen/pmwiki.php?n=Main.Skulpturen

Welche Werke das Projekt Gegenwarten neben mittlerweile gut bekannten Aufregern wie dem versenkten Skoda, dem Holztor und den gefakten Antifa-Exponaten noch in die Stadt gebracht hat, findet man unter https://www.gegenwarten.info/de

Denkt daran: Entspannung beginnt im Darm.

Ursprünglich auf Facebook am 16.08.2020 veröffentlicht.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Der Beitrag vom 16. August 2020 reagierte unmittelbar auf „Gegenwarten / Presences“: ein Public-Art-Projekt der Kunstsammlungen Chemnitz mit 20 Künstler:innen/Kollektiven im Stadtraum. Der Ton ist deutlich ironisch, aber nicht kulturfeindlich: Der „Darm“ wird als Gegenstück zum Marx-Monument gelesen, die Kostenkritik eher verspottet, die Nutzung durch Kinder positiv hervorgehoben. Das mitgelieferte Bild stützt diese damalige Beobachtung: Kinder klettern und balancieren auf der Skulptur.

Was danach geschah

Die Kostenkritik war real: Radio Chemnitz berichtete im September 2020 unter Bezug auf eine CDU-Anfrage von 23.800 Euro für den „Marx-Darm“ und knapp 900.000 Euro Gesamtkosten der Open-Air-Ausstellung. Zugleich ist das nur ein Kostenbeleg, kein Beweis für „Verschwendung“. Überregionale Berichte beschrieben die Ausstellung als stark umstritten; besonders der versenkte Škoda und Antifa-Bezüge lösten Debatten aus. (radiochemnitz.de)

Im April 2022 wurde der „Darm“ abgebaut und nach Bratislava gebracht. Die Stadt begründete das offiziell mit dem temporären Charakter öffentlicher Kunstorte; laut TAG24 hatte sie keinen Ankauf und keine Rückholung geplant. Mehrere Chemnitzer Kunstvereine kritisierten den Abbau und forderten nachhaltigere Kunst im öffentlichen Raum. (d2vw8mc5mcb3gm.cloudfront.net)

Einordnung der damaligen Einschätzung

Die Beobachtung, dass die Skulptur praktisch angenommen wurde, wurde teilweise bestätigt. Die Erwartung eines dauerhaften Stadtmöbels wurde jedoch nicht erfüllt. Die Kostenkritik blieb nicht bloß „Jammern“, sondern wurde politisch aufgegriffen. Die Ironie des Artikels wirkt rückblickend treffend, aber etwas zu optimistisch hinsichtlich Verbleib und Verstetigung.

Quellenlage

Offizielle Quellen belegen Projektstatus und Abbau, nicht Akzeptanz oder kulturpolitischen Erfolg. Konkrete Quellen:

KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.