Testkapazitäten bleiben ungenutzt, Heime gefährdet

· Verwaltung & Stadtrat · 2 Min. Lesezeit · Artikel 210 von 497

#Chemnitz#Sachsen#Corona#Gesundheit

Das Robert Koch-Institut meldete gestern Abend für die letzte Woche einen Rückgang der Testungen auf SARS-CoV-2 auf 360.139, davon 29.302 positiv. Es wurde nicht einmal die Hälfte der zur Verfügung stehenden Laborkapazität von 730.156 genutzt. Wenn weniger getestet wird, sinken auch die nachgewiesenen Neuinfektionen und die Labore sehen wenig Notwendigkeit zum Aufbau eigentlich benötigter Testkapazität.

Gleichzeitig werden vermehrt Infektionen und Tote in Pflegeheimen gemeldet. In Sachsen sind mittlerweile 41 Pflegeheime betroffen, 189 Pfleger und 234 Bewohner sind infiziert. Betroffen sind auch 34 Krankenhäuser, wo Personal positiv getestet wurde. Auch hier kann man von einer höheren Dunkelziffer ausgehen, da 80% der Infektionen ohne Symptome verlaufen, die Infizierten aber trotzdem hochansteckend sind und Alte und Kranke infizieren.

Warum nutzt man die schon seit Wochen vorhandenen Testkapazitäten nicht für systematische Tests in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Liefergastronomien und Supermärkten, um die Superspreader in den Griff zu bekommen?

Wissen Politiker eine Antwort darauf, warum das wichtigste Werkzeug gegen die Pandemie nur halbherzig eingesetzt wird und man stattdessen Feinheiten des fortgesetzten wirtschaftlichen Shutdowns und der fortwährenden Grundrechtsbeschränkungen diskutiert? Schließlich beteuern ja alle, die Demokratie und die Wirtschaft nicht komplett ruinieren zu wollen.

Hatten diese solidarischen Einschränkungen und Verbote, wo nun Millionen Existenzen auf dem Spiel stehen, nicht genau das Ziel, die Alten und Schwachen zu schützen, die jetzt durch ungenügende Ausnutzung der Testkapazitäten dem Virus zum Opfer fallen?

Deutet sich jetzt nach der Pleite mit unzureichender Schutzmitteleinlagerung und mangelhaften Pandemieplänen das nächste Verwaltungsdesaster an, weil man systematische Tests nicht hinbekommt?

Ursprünglich auf Facebook am 16.04.2020 veröffentlicht.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Der Beitrag vom 16. April 2020 argumentierte aus einer frühen Pandemielage heraus: vorhandene PCR-Kapazitäten würden nicht ausgeschöpft, während Pflegeheime und Krankenhäuser besonders gefährdet seien. Die mitgelieferten Bilder stützen den damaligen Anlass: Sie zeigen RKI-Tabellen zu Testzahlen/Kapazitäten und einen RKI-Abschnitt, wonach Todesfälle stark ältere Menschen betrafen und sich Berichte über Ausbrüche in Heimen und Kliniken häuften. Zu beachten ist: Die RKI-Testzahlen waren freiwillige Laborabfragen, wurden nachgemeldet und bedeuteten nicht „getestete Personen“, sondern Tests. Das relativiert die einfache Gegenüberstellung, entkräftet aber nicht die Kernfrage nach Priorisierung.

Was danach geschah

Später wurden Testmöglichkeiten für Einrichtungen tatsächlich ausgeweitet: Die Coronavirus-Testverordnung vom 8./9. Juni 2020 ermöglichte Tests asymptomatischer Personen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, u. a. bei Ausbrüchen sowie präventiv für Personal, Bewohner und Aufnahmen. (bundesgesundheitsministerium.de) Im Herbst 2020 folgte eine breitere nationale Teststrategie mit Schnelltests, gerade für Pflegeheime. Gleichzeitig zeigen spätere Auswertungen: Pflegeheime blieben massiv betroffen. RKI-Analysen stellten fest, dass 95 Prozent der verstorbenen COVID-19-Patienten mindestens 60 Jahre alt waren und Alten-/Pflegeeinrichtungen besonders von Ausbrüchen betroffen waren. (edoc.rki.de) Für Sachsen nennt der BARMER-Pflegereport einen Höchstwert von 17,8 Prozent infizierten Heimbewohnern im Dezember 2020. (barmer.de)

Einordnung der damaligen Einschätzung

Die Kritik wurde in wesentlichen Punkten bestätigt: Der Schutz vulnerabler Gruppen war unzureichend, und systematische Testregime kamen erst verzögert. Teilweise relativiert ist die Formulierung „ungenutzte Kapazitäten“, weil Lieferengpässe, Meldeverzug, freiwillige Datenbasis und Priorisierungsfragen bestanden. Nicht belegt ist, dass breite Routinetests in Supermärkten oder Liefergastronomie damals praktikabel oder entscheidend gewesen wären.

Quellenlage

  • RKI, Testzahlen/Kapazitäten, Epidemiologisches Bulletin 18/2020. (edoc.rki.de)
  • Coronavirus-Testverordnung, Bundesanzeiger/BMG, Juni 2020. (bundesgesundheitsministerium.de)
  • RKI, COVID-19-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen, 2021. (edoc.rki.de)
  • BARMER/Universität Bremen, Pflegereport-Auswertungen zu Pflegeheimen. (barmer.de)

KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.