Corona-Drehbuch setzt auf Angst und Zuhausebleiben

Die Webseite FragDenStaat veröffentlichte die Corona-"Strategie" [1] des Innenministeriums, die bereits seit 22.3. als Verschlusssache durch Bundesministerien und das Kanzleramt geistert. Dieses lag zu diesem Zeitpunkt auch diversen Medien vor [2]. In diesem "Drehbuch" [3], welches fast ohne Quellen auskommt, wird u.a. die psychologische Vorbereitung der Bevölkerung auf freiheitsbeschränkende Maßnahmen beschrieben, u.a. soll der qualvolle Tod durch Ersticken oder die Schuldgefühle von Kindern adressiert werden, deren Eltern qualvoll sterben, weil sie diese abgesteckt haben. Als Narrativ wird physische Distanzierung mit #wirbleibenzuhause empfohlen. Mehr als Zuhausebleiben wird von der Bevölkerung nicht erwartet. Für das wirbleibenzuhause sollen Prominente, Politiker und Wissenschafter werben.
Die Verfasser, von zehn "Fachleuten" innerhalb von drei Tagen erstellt [4], ziehen nicht mal ansatzweise in Betracht, dass die Mitwirkung der Bevölkerung durch den Einsatz von Schutzmaterial wie Gesichtsmasken, Hygienemaßnahmen und echtem Social Distancing die Infektionswege wirksamer unterbrechen könnten als Kontaktverbote und Einsperren der Bevölkerung. Das Konzept sozialer Distanzierung wird mit physischer Distanzierung gleichgesetzt.
Im Hinblick darauf, dass man ein (mehrfaches) Wiederaufflammen und dann monatelangen Ausgangssperren für wahrscheinlich hält, ist das Zuhausebleiben leider ein wahnsinnig anmutender Irrweg des Abwartens und Hoffens des Nicht-Wiedraufflammens trotz mangelhafter Schutzmaßnahmen. Politiker, die zehn "Fachleuten" hörig sind und die von ihren Wählern nichts außer blinder Gefolgschaft erwarten, sollten schleunigst ihren Hut nehmen.
[1]https://fragdenstaat.de/blog/2020/04/01/strategiepapier-des-innenministeriums-corona-szenarien/
[2]https://www.focus.de/politik/deutschland/aus-dem-innenministerium-wie-sag-ichs-den-leuten-internes-papier-empfiehlt-den-deutschen-angst-zu-machen_id_11851227.html
[3]https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/
[4]https://zeitung.faz.net//faz/politik/2020-04-02/f8e7cfb89e5590d367435a9fa8a0a702/
Ursprünglich auf Facebook am 05.04.2020 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag reagierte am 5. April 2020 auf das BMI-Papier „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“. Die mitgelieferten Bilder zeigen tatsächlich Seiten dieses als „VS – nur für den Dienstgebrauch“ markierten Papiers: hervorgehoben sind Risikokommunikation, Worst-Case-Szenarien, Testausweitung, Klinik-Kapazitäten und Akzeptanz freiheitsbeschränkender Maßnahmen. Die damalige Aussage des Blogbeitrags war: Der Staat setze zu stark auf Angst, Zuhausebleiben und Gehorsam, zu wenig auf Masken, Hygiene, Tests und differenzierte Mitwirkung.
Was danach geschah
Später zeigte sich: Masken, Tests, Impfungen, Kontaktreduktionen und Risikokommunikation wurden zentrale Instrumente. Der Sachverständigenausschuss zur IfSG-Evaluation bewertete medizinische Masken grundsätzlich als wirksames Mittel, betonte aber Unsicherheiten zur praktischen Effektgröße; Lockdowns seien besonders in frühen Phasen plausibel wirksam, verlören bei Dauer und sinkender Akzeptanz aber an Wirkung. Zugleich kritisierte der Bericht erhebliche Daten- und Evaluationsdefizite. (bundesgesundheitsministerium.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die Kritik, dass Kommunikation teilweise auf Schockwirkung zielte, wird durch das Papier selbst gestützt und durch spätere Debatten nicht erledigt. Relativiert wird aber die Behauptung, es sei „mehr als Zuhausebleiben“ nicht erwartet worden: Das BMI-Papier nannte auch Testausweitung und Kapazitätsaufbau. Die Befürchtung monatelanger Ausgangssperren trat in Deutschland nicht als dauerhafte landesweite Einsperrung ein; es gab aber erhebliche Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, deren Bundesnotbremse das Bundesverfassungsgericht 2021 für die damalige Gefahrenlage als verhältnismäßig bewertete. (datev-magazin.de)
Quellenlage
Die spätere Bewertung bleibt offen: Der Bundestag setzte 2025 eine Enquete-Kommission zur Corona-Aufarbeitung ein; ein Abschlussbericht ist erst für Juni 2027 vorgesehen. (bundestag.de)
Quellen:
- https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/S/Sachverstaendigenausschuss/220630_Evaluationsbericht_IFSG_NEU.pdf
- https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/recht/verfassungsbeschwerden-betreffend-ausgangs-und-kontaktbeschraenkungen-im-vierten-gesetz-zum-schutz-der-bevoelkerung-bei-einer-epidemischen-lage-von-nationaler-tragweite-bundesnotbremse-69043
- https://www.bundestag.de/ausschuesse/weitere_gremien/ee01
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.