Chemnitzer Außenwerbung als geheimnisvoller Dauervertrag

Irgendwie scheint es seit Jahren ein geheimnisvolles Monopol einer einzelnen Werbefirma aus Köln in der Stadt Chemnitz zu geben, welche neben fast allen Außenwerbeflächen auch Litfasssäulen, Bus- und Bahnwartehäuschen und andere Stadtmöblierung sowie die Werbeflächen auf Bussen und Bahnen zu gehören scheinen. Nachfragen dazu blockte die Stadtverwaltung in der Vergangenheit ab.
Das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Chemnitz deckte nun auf, dass es seit 1992 einen mittlerweile auf 35 Jahre verlängerten Vertrag gibt, der gegen jegliche Ausschreibungsrichtlinien und das Wettbewerbsgesetz ("mit den damit verbundenen Risiken") verstößt. Da werden Millioneneinnahmen erzielt und die Stadt erhält pro Jahr davon ca. 300.000 Euro. Zudem scheint der Kämmerer bei Abrechnungen noch nie die Buchhaltungsunterlagen der Werbefirma geprüft zu haben, sondern blind auf deren Umsatzmeldungen zu vertrauen.
Nun stellt sich die Frage, wieso dazu nicht mal Stadträten Auskunft erteilt wird und warum Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Stadtkämmerer Sven Schulze ein Geheimnis daraus machen und heimlich einen Vertrag über fast zehn Millionen Euro ohne Ausschreibung und Stadtratsbeschluss verlängern. Das stinkt nach Bequemlichkeit oder Schlimmerem und ist sicher nicht zum Wohle der Chemnitzer Bürgerschaft und der hiesigen Wirtschaft. Mal schauen, ob jetzt benachteiligte Werbefirmen die Stadt auf jahrzehntelang entgangenen Gewinn verklagen.
Ursprünglich auf Facebook am 18.10.2019 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag reagierte 2019 auf einen Ausschnitt aus einer Rechnungsprüfung: Dort ging es nicht nur um gefühlte Dominanz von Ströer im Stadtbild, sondern um einen seit 10.09.1992 bestehenden, auf 35 Jahre verlängerten Werberechte-Vertrag, lange Laufzeiten, Exklusivität, Kopplung mit Stadtmöblierung und fehlende ausreichende Öffentlichkeit. Bild 1 ist damit eine zentrale damalige Sachquelle; Bild 2 zeigt ergänzend Ströer-gebrandete Großflächen im Stadtraum, beweist aber für sich allein keine Vertragsdetails.
Was danach geschah
Später wurde tatsächlich neu ausgeschrieben: Am 16.05.2025 erschien eine EU-weite Konzessionsbekanntmachung „Außenwerbung Chemnitz“, Frist 16.06.2025, für ein exklusives Werberecht auf städtischen und CVAG-Flächen samt Fahrgastunterständen. (op.europa.eu) Der Zuschlag wurde laut Vergabebekanntmachung am 28.11.2025 an die DSM Deutsche Städte Medien GmbH erteilt; es ging nur ein Angebot ein, keines von KMU, Vertragswert und Konzessionswert wurden nicht veröffentlicht. (ausschreibungen-deutschland.de) Die CVAG nennt Ströer weiterhin als Werbepartner für Fahrzeugwerbung. (cvag.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die Kritik an Intransparenz, sehr langer Bindung und Ausschreibungsproblem wurde durch die spätere EU-weite Neuvergabe eher bestätigt als relativiert. Die Befürchtung, lokale Konkurrenz sei ausgeschlossen, bleibt nur teilweise belegbar: Es gibt weiterhin kleinere Chemnitzer Außenwerbe-Anbieter auf anderen Flächen oder Sondernutzungen, aber bei der städtisch/CVAG-bezogenen Konzession führte die Ausschreibung 2025 erneut faktisch zu nur einem Anbieter. (plakatierung-chemnitz.de) Hinweise auf Klagen benachteiligter Firmen fand ich nicht belastbar.
Quellenlage
- EU-Ausschreibung Chemnitz: https://op.europa.eu/en/web/public-procurement/procurement-details/-/procurement/fffb4089-0071-458e-a1b8-887a7d067109
- Vergabedetails/Award: https://ausschreibungen-deutschland.de/2416746_Deutschland__Werbe-_und_Marketingdienstleistungen__Aussenwerbung_Chemnitz_2025_Chemnitz
- CVAG Fahrzeugwerbung: https://www.cvag.de/fahrzeugwerbung
- M&L Plakatierservice: https://plakatierung-chemnitz.de/
- CPW Plakatwerbung Chemnitz: https://plakatwerbungchemnitz.de/
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.