Autonomer Shuttle fährt nun in Hamburg

· Verkehr & Mobilität, Wirtschaft · 5 Min. Lesezeit · Artikel 333 von 497

#Chemnitz#Mobilität#CVAG#Wirtschaft

Heute berichtet die Freie Presse, dass das Projekt mit dem selbstfahrenden Elektro-Shuttle zwischen den Uniteilen Reichenhainer Str. und Erfenschlag gescheitert ist und das System stattdessen in Hamburg in der HafenCity zum Einsatz kommt.

Ich hatte die Idee bereits seit Anfang 2015 vorangetrieben und erste Gespräche mit Stadt und CVAG geführt. Bereits 2016 war daraus ein Projekt zusammen mit der Stadt und der IAV entstanden. Mittlerweile bildet sich in Chemnitz mit bekannten Startups wie Baselabs, Intenta, Newcomern wie Naventik und etablierten Playern wie IAV langsam ein Kompetenzcluster für Hard- und Software für selbstfahrende Fahrzeuge. Dies kann neben dem gerade im Aufbau befindlichen Kompetenzcluster für Wasserstofftechnologie die Wirtschaft der Region auch nach dem Auslaufen der Verbrennungsmotoren am Laufen halten, wenn man dies jetzt ausreichend unterstützt.

Warum so ein bahnbrechendes Pilot-Projekt vom sächsischen Wirtschaftsministerium nicht gefördert wird und jetzt das bereits fertig gebaute Fahrzeug in Hamburger HafenCity zum Einsatz kommt, sollte durch unsere Landtagsabgeordneten Jörg Vieweg, Hanka Kliese, Ines Saborowski, Alexander Dierks, Petra Zais, Peter W. Patt und Volkmar Zschocke hinterfragt werden. Wir brauchen genau diese Anwendungen in Chemnitz, weil diese Firmen in Zukunft die Gewerbesteuer bringen und weil wir an diesen Technologien interessierte junge Menschen in Chemnitz halten wollen. Warum der Finanzierungsbedarf nicht im Stadtrat diskutiert wird, sondern das Projekt fast stillschweigend fallengelassen wird, ist ebenfalls bedenklich. Große Teile der Firma IAV sind nach Querelen um Bauflächen ja schon nach Stollberg abgewandert.

Teuer war nach meinem letzten Wissensstand bei dem Projekt eine Steuerung der Lichtsignalanlagen an der Reichenhainer Straße. Sowas kann man aber im Bundesprogramm "Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme" beantragen, wo die Bundesregierung eine Milliarde Euro bereitstellt. Unter anderem erneuert die Stadt Augsburg ein "dynamisches Verkehrs- und Parkleitsystems", in Stuttgart findet eine "Intelligente Mobilitäts-Vernetzung" per App statt, Backnang bekommt ein "Digitales Verkehrslenkungssystem", Darmstadt arbeitet an der "Etablierung eines On-Demand Shuttle-Systems in Ergänzung des bestehenden ÖPNVs" und Düsseldorf setzt auf "Beschleunigung des ÖPNV durch intelligente Lichtsignalsteuerung" (nur ein Auszug aus zig-Projekten anderer Großstädte).

Laut Verwaltung hat man kein Personal, um dort und bei anderen Fördermöglichkeiten Anträge zu stellen. Die benötigten Stellen im Bauamt wurden nämlich bei den Haushaltsverhandlungen vom Kämmerer und der Oberbürgermeisterin weggespart. Deshalb gibt's auch kein modernes Parkleitsystem und wir spielen weiter Steinzeit, reparieren lieber gigantische Verkehrsflächen, bauen teure Überflieger aus, pflastern die Innenstadt mit hässlichen Parkhäusern zu und lassen Bürgerinnen und Bürger das hart verdiente Geld weiter in teure Autos und Kraftstoff stecken, anstatt moderne und preiswerte digitale Mobilitätslösungen anzubieten, welche von der hiesigen Wirtschaft entwickelt werden. Was für ein Armutszeugnis für Verwaltung, Politik und Wirtschaftsförderung.

"Selbstfahrende" Fahrzeuge gab es in Chemnitz der Moderne übrigens schon mal vor 90 Jahren, im Bild ein Artikel im "Allgemeinen Anzeiger für den südlichen Chemnitzer Industriebezirk" - Neukirchen 1929.

Im Vergleich dazu die Presse 2019: Elektrobus-Projekt in Chemnitz gescheitert
https://www.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/Home/Naechster_Halt/Ausbau_und_Projekte/projekt_heat

Bericht aus 2016
https://www.tag24.de/nachrichten/selbstfahr-busse-in-reichenhainer-chemnitz-68090

Kampagnenseite in Hamburg (wo keine lokale Wirtschaft daran hängt): Es ist ein in Deutschland bislang einmaliges Forschungs- und Entwicklungsprojekt ...
https://www.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/Home/Naechster_Halt/Ausbau_und_Projekte/projekt_heat

#stattdermoderne #digitalisierung

Ursprünglich auf Facebook am 31.01.2019 veröffentlicht.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Der Beitrag von 2019 reagierte auf eine damals konkrete Niederlage: Das Chemnitzer Pilotprojekt eines autonomen Elektro-Shuttles zwischen Uni-Standorten wurde laut mitgeliefertem Freie-Presse-Ausschnitt nicht umgesetzt; das Fahrzeug erschien stattdessen als HEAT-Shuttle in Hamburg. Die Bilder stützen diesen Anlass: Bild 1 zeigt die damalige Presseerzählung „Elektrobus-Projekt in Chemnitz gescheitert“, Bild 2 setzt ironisch den historischen Chemnitzer „Auto ohne Chauffeur“-Hype von 1929 dagegen.

Was danach geschah

In Hamburg lief HEAT tatsächlich von 2019 bis Oktober 2021, ab 2020/2021 mit Fahrgästen in der HafenCity, aber weiterhin als Forschungs- und Demonstrationsprojekt, nicht als normaler Regelbetrieb. (hamburg.de) Chemnitz bekam später andere Projekte: 2019 formierte sich mit CADA ein Netzwerk für automatisiertes Fahren um Firmen wie Baselabs, FDTech, Naventik, FusionSystems und Intenta. (fdtech.de) 2022–2025 erprobte die CVAG mit Partnern SmarTram; der autonome Linienbetrieb wurde dabei ausdrücklich als „weit in der Zukunft“ eingeordnet. (cvag.de) 2024 wurde zudem ITS4Culture zur Digitalisierung von 40 Ampeln entlang der Ringbuslinie 82 vorgestellt. (saechsisch-direkt.de)

Einordnung der damaligen Einschätzung

Die Kritik, dass Chemnitz 2019 ein sichtbares Leuchtturmprojekt verlor, wird durch die spätere HEAT-Umsetzung teilweise bestätigt. Die Befürchtung, Chemnitz verliere generell Anschluss, ist dagegen nur teilweise haltbar: Kompetenzcluster und Folgeforschung entstanden, aber nicht in Form des damals geforderten Shuttle-Regelversuchs in Chemnitz. Die Fördermittelkritik wird durch spätere DKV-Projekte eher relativiert als widerlegt.

Quellenlage

Überwiegend Projekt- und Selbstdarstellungen; sie belegen Status und Zeitpunkte, nicht Nutzen oder Wirtschaftlichkeit.

KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.