Digitalisierung der Schulen hängt seit 1984
"Computer in alle Schulen, alle Schüler an die Computer - dieses Programm wollen die Kultusminister zügig verwirklichen. Noch fehlt es an Rechnern und an Lehrern, die mit ihnen umgehen können. Auch gibt es Widerstand. Wie attraktiv der Unterricht am Computer sein kann, führten bislang nur einige Pioniere vor." - berichtete der Spiegel im November 1984. Der Text könnte auch aus der Zeitschrift von übermorgen stammen und zeigt 34 Jahre politisches Totalversagen im Bereich der Digitalisierung und Modernisierung der Schulbildung. Auch heute wird noch fleißig diskutiert, wie man die Schulen nun adäquat ausstattet und das man doch endlich mal Medienbildung machen müsse. Passieren wird weiterhin nichts und die digitalen Bildungspioniere nähern sich mittlerweile dem Rentenalter.
Dabei reichen heutzutage das sowieso vorhandene Smartphone und ein vernünftiges 4G/LTE-Netz mit kostenloser SIM-Karte völlig aus. Auf 5G und 6G muss niemand warten. Die Milliarden für jährliche aktualisierte Schul-PCs, Tablets, Breitband-WLAN-Ausleuchtung von kompletten Schulen und deren Administration kann man sich dann komplett sparen. Auf das Smartphone müssen interessante, relevante und freie digitale Inhalte, die mit dem konkurrieren können, was sie Schüler sonst angeblich vom Unterricht ablenkt. Open Content ohne Zugangsbarrieren, keine Logins, kein Datenschutzproblem. Die Geräte, Inhalte und ein paar IoT-Minicomputer lassen sich genau wie ein Buch oder eine digitale Tafel durch Lehrkräfte in den Unterricht einbinden und eignen sich sogar prima zur Produktion von eigenen spannenden Formaten durch die Lernenden und Lehrkräfte. Die nicht mehr schulpflichtige Bevölkerung bekommt durch freie Inhalte auch ihre notwendige Dosis Bildung (Stichwort: Lebenslanges Lernen) und die Rundfunkgebühren (für Bildungsinhalte) erhalten vielleicht mal einen digitalen Sinn.
Das Problem: Daran verdient niemand was, kein Marken-Hardware-Hersteller, kein Netzwerkausstatter, kein Buchverlag. Wo keine Personendaten erfasst werden, kann man keine verkaufen oder aufwändig verwalten. Einige werden "wegdigitalisiert", die sich seit Jahrzehnten an Konzepten abarbeiten oder seit Jahrhunderten immer die selben Inhalte auf totes Holz drucken. Vielleicht müssen unsere Politikerinnen und Politiker mal ein bisschen "einfacher" denken und das nutzen, was schon da ist. Komplizierte Sachen funktionieren nämlich in der Breite sonst weiterhin nicht.
Ursprünglich auf Facebook am 17.11.2018 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag von 2018 nutzt den Spiegel-Verweis von 1984 als polemische Langzeitdiagnose: damalige Aussage war, dass Schul-Digitalisierung seit Jahrzehnten an Ausstattung, Lehrkräftequalifikation und Konzepten hängt. Interpretation ist die These, Politik und Beschaffungslogik verkomplizierten das Problem; Prognose/Befürchtung: Es werde weiter wenig passieren.
Was danach geschah
Ganz „nichts“ passierte nicht: 2019 startete der DigitalPakt Schule; der Bund stellte nach offizieller Darstellung 6,5 Milliarden Euro für Infrastruktur, Geräte, WLAN und Administration bereit, Maßnahmen sollten bis Ende 2025 abgeschlossen sein. (bmbfsfj.bund.de) Sachsen meldete später 1.880 unterstützte Schulen, rund 90 Prozent LAN/WLAN-Abdeckung in pädagogisch genutzten Räumen öffentlicher Schulen und über 146.000 finanzierte mobile Endgeräte. (medienservice.sachsen.de) Chemnitz erklärte 2024, der DigitalPakt werde an kommunalen Schulen fristgemäß bis Ende 2024 umgesetzt. (dienstleistungsportal-chemnitz.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Die Prognose „passieren wird nichts“ ist teilweise relativiert: Es gab erhebliche Programme und sichtbare Ausstattung. Die strukturelle Kritik bleibt aber in wesentlichen Punkten bestätigt: ICILS 2023 fand für Deutschland trotz besserer Ausstattung einen deutlichen Kompetenzrückgang seit 2013/2018; über 40 Prozent der Achtklässler lagen nur auf niedrigen Kompetenzstufen. (deutsches-schulportal.de) Dass Ende 2025 ein Digitalpakt 2.0 bis 2030 beschlossen wurde, zeigt zudem: Wartung, Qualifizierung und Unterrichtsentwicklung galten weiterhin als ungelöst. (kmk.org) Die Smartphone/Open-Content-Idee setzte sich politisch nicht durch; belegt ist eher der Weg über WLAN, Tablets, Tafeln und Plattformen.
Quellenlage
Offizielle Quellen belegen vor allem Geld, Zeitplan und Selbstdarstellung, nicht Unterrichtsqualität. Belastbare Chemnitzer Einzelevaluationen fand ich nicht.
- https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/bildung/schule/digitalpakt-schule-275098
- https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1093510
- https://www.dienstleistungsportal-chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2024/511.html
- https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/icils-2023-eickelmann-digitale-kompetenzen-40-prozent-der-jugendlichen-sind-abgehaengt/
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.