Chemnitzer Satire ärgerte schon 1798

Im Jahre 1797/98 erschien die Schmähschrift "Kleinteufel" im Dämonion, dessen Autorenschaft bis heute unbekannt ist. Beklagt wird unter anderem die schlechte Verkehrsanbindung der Stadt Chemnitz, das Verhalten der Stadtmiliz, die Leichtgläubigkeit gutgekleideten Hochstaplern gegenüber, die Spielsucht in Casinos, der schlechte Zustand der Gastwirtschaften und die Absurditäten der Polizeiverfassung. Dies rief große Empörung bei der Stadtverwaltung und den Räten hervor, die zwar viel Wahres erkannten, aber auch eine maßlose Übertreibung attestierten. Daraufhin versuchte man den Autor ausfindig zu machen. Immerhin hat es die Schrift in die 1893 erschiene Festschrift zum 750-jährigen Jubiläum geschafft. Hinweise zur Autorenschaft nahm auch damals sicher jede Polizeidienststelle entgegen.
Nachzulesen hier
https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1016243243#page/56/mode/1up
Ursprünglich auf Facebook am 10.04.2018 veröffentlicht.
Zeitgeschichtliche Einordnung
Der Beitrag von 2018 ist weniger eine aktuelle Chemnitz-Kritik als ein Fundstück zur langen lokalen Tradition von Spott, Verwaltungsempfindlichkeit und Stadtimage. Damalige Aussage: Die anonyme Schmähschrift „Kleinteufel“ bzw. „Eine Schmähschrift auf Chemnitz“ griff um 1797/98 Missstände wie Verkehrsanbindung, Miliz, Gastwirtschaften, Glücksspiel und Polizeiverfassung an. Das mitgelieferte Bild zeigt passend das Titelblatt der Festschrift von 1893; die SLUB weist darin tatsächlich ein Kapitel „Eine Schmähschrift auf Chemnitz“ nach. (digital.slub-dresden.de)
Was danach geschah
Spätere Recherchen zeigen vor allem eine bessere digitale Erschließung: Die Deutsche Digitale Bibliothek führt das Kapitel als digitalisierten Abschnitt der Festschrift, das Bücherverzeichnis des Vereins für Chemnitzer Geschichte nennt Uhles Aufsatz mit der „Erwiderung von J. T. Lessing“. Eine neue, belastbare Zuschreibung des anonymen Autors ließ sich in den recherchierten Katalog- und Digitalisatsquellen nicht finden. (deutsche-digitale-bibliothek.de)
Die Verkehrskritik wirkt historisch erstaunlich anschlussfähig: Chemnitz war lange wieder ohne regulären Fernverkehr; seit Juni 2022 gibt es zwar wieder IC-Züge, 2026 aber auch bau- bzw. streckenbedingte Einschränkungen. Das bestätigt nicht die Details von 1798, relativiert aber die Ironie des Beitrags kaum. (medienservice.sachsen.de)
Einordnung der damaligen Einschätzung
Der Blogton ist spielerisch-satirisch. Bestätigt ist: Die Schrift existierte, wurde 1893 historisiert und blieb wegen Anonymität reizvoll. Offen bleibt: Wie „wahr“ die einzelnen Vorwürfe 1798 waren; dafür reicht die Festschrift allein nicht als neutraler Beweis.
Quellenlage
- SLUB Dresden: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/93367/7/1
- Deutsche Digitale Bibliothek: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/WRHW6IN5TTYFJY7KWGQYDZ6IOXG7L2AF
- Wikisource Bücherverzeichnis: https://de.wikisource.org/wiki/B%C3%BCcherverzeichnis_des_Vereins_f%C3%BCr_Chemnitzer_Geschichte
- Medienservice Sachsen: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1047125
KI-generierte zeitgeschichtliche Einordnung, generiert im Mai 2026.